• Tel +49 (911) 977200
  • Fax +49 (911) 9772022

Good News und neue Trends bei Plastikmüll

Deutsche Unternehmen exportieren weniger Plastikmüll. Der anfallende Abfall kann zudem immer besser recycelt werden. Das ist auch dringend nötig, denn die Pandemie brachte beim Abfallmanagement ganz neue Herausforderungen.

Es tut sich etwas in Sachen Plastikmüll: 2021 haben deutsche Unternehmen rund ein Drittel weniger an Kunststoffabfall in den Export geschickt. Mit einer Gesamtmenge von rund 700.000 Tonnen verringerte sich die Menge der Ausfuhren laut dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) deutlich.

Die Exportmengen sinken stetig

Die Palette reicht von Lebensmittelverpackungen bis hin zu Produktionsabfällen: Etwa sechs Millionen Tonnen umfasst die Gesamtmenge der in Deutschland getrennt gesammelten Kunststoffabfälle. Die vorgeschriebene Verwertung geht vor allem zwei Wege. Zum einen wird Plastikabfall in Kraftwerken als Brennmasse genutzt, zum anderen entsteht daraus Kunststoffgranulat. Dieses bildet die Basis für neue Produkte wie zum Beispiel Mülltüten, Straßenpoller oder Polyesterkleidung. Dieser Verwertungsprozess ist auch im Ausland möglich.

Der Rückgang der Abfallexporte resultiert daraus, dass asiatische Staaten bei den Importen zurückhaltender als früher sind und aus den durch die Corona-Krise unterbrochenen Lieferketten. Vor allem aber ist die Granulatnachfrage im Inland gestiegen, was auch mit den höheren Preisen und einer besseren Qualität des Rohstoffs zu tun hat. Das schlägt sich in den Umsatzzahlen bei den Plastikexporten nieder. Diese sind mit rund 260 Millionen Euro bei deutlich geringeren Exportmengen in etwa gleich hoch wie 2020.

Rückgange bei China-Abfallexporten

Bei der Liste der Exportländer zeigen sich deutliche Verschiebungen. Neuer Hauptimporteur sind die Niederlande, während der früher starke Hauptabnehmer China weniger importiert. Plastikabfälle wurden in China ebenso wie in Malaysia nicht immer ordnungsgemäß verarbeitet und belasteten dort die Umwelt. Malaysia war noch 2020 der führende Importeur für deutschen Plastikmüll. 2021 rutsche das Land hingegen auf Platz 4 ab. Auch Vietnam, Hongkong und Indonesien rangieren nicht mehr auf den vorderen Plätzen. Die neue klare Nummer 1 sind jetzt die Niederlande, die im Jahr 2021 beachtliche 136.000 Tonnen Kunststoffabfälle importierten. Diese hohe Menge macht Umweltschützern weniger Kopfzerbrechen, da hier die Standards beim Recycling ähnlich hoch sind wie in Deutschland. Das gilt allerdings nicht für die Türkei, einem starken Abnehmerland für Plastikabfälle, die im Zielland immer wieder für Umweltschäden verantwortlich gemacht werden.

Die Bundesrepublik ist aber nicht nur Abfallexporteur, sondern tritt selbst als Importeur auf. Rund 450.000 Tonnen Kunststoffmüll wurden 2021 importiert, um aus diesen Abfällen neue Produkte zu erzeugen.

Erwartbares Plus in Zeiten der Pandemie

Die Abfallmengen in den Haushalten haben sich gerade bei Kunststoffen bzw. Kunststoffverpackungen im vergangenen Jahr tendenziell erhöht. Das zeigte sich besonders im „Lockdown light“ zwischen November 2020 und Mai 2021. Das häusliche Leben wurde durch die Kontaktbeschränkungen wichtiger und intensiver, was sich in den Abfallströmen niederschlug. Die Zunahme des Hausmülls umfasste dabei auch Altglas, das während des Lockdowns um 20 Prozent anstieg und das insgesamt seit dem Beginn der Coronakrise ein Plus von rund 7 Prozent verzeichnet. Auch bei Pappe, Papier und Karton stiegen die Müllmengen an. Das Volumen erhöhte sich in bestimmten Zeiträumen um bis zu 20 Prozent (im Schnitt um rund 6 Prozent), während das Gewicht tendenziell sogar eher zurückging.

Die Gründe für den Anstieg liegen vor allem bei den Kartonverpackungen angesichts der pandemiebedingt größeren Rolle des Onlinehandels. Auch scheinen immer weniger Konsumenten gewillt zu sein, den Karton vor dem Weg in die Tonne zu falten, was für ein höheres Volumen sorgt. Zuwächse gab es pandemiebedingt im vergangenen Jahr auch beim Leichtverpackungsmüll. Das Plus bei Leichtverpackungen aus Kunststoffen, Verbundmaterialien und Metallen lag je nach Region zwischen 5 und 10 Prozentpunkten (im Schnitt bei 6,5 Prozent).

Corona bremst die Mülltrennung

Gerade gegen Jahresende 2021 zeigte sich eine zunehmende Nachlässigkeit der Bundesbürger bei der Mülltrennung. Immer öfter werden die einzelnen Abfallarten nicht richtig getrennt oder der Müll wird gleich illegal irgendwo deponiert. Dabei zeigen sich regional oft deutliche Unterschiede.

Das erhöhte Müllaufkommen hatte nicht nur mit der Weihnachtszeit zu tun, sondern auch mit Konsumgewohnheiten, die sich durch die Pandemie verändert haben.

Insgesamt zeigt sich, dass die Verlagerungen von Abfallmengen in den privaten Bereich abseits von Corona zu einem dauerhaften Phänomen werden dürfte. Noch immer konzentriert sich vieles auf den privaten Bereich. Homeoffice ist für so manchen Arbeitnehmer von der Ausnahme zur Regel geworden, was sich ebenfalls in der Verteilung der Müllmengen niederschlägt.

Abfallvermeidung wurde in Pandemiezeiten leider weniger wichtig bei den Konsumenten, wie Umfragen gezeigt haben. Oft fehlten auch einfach Alternativen, wenn Mahlzeiten etwa nur zum Mitnehmen mit voluminösen Verpackungen verfügbar waren.

Der globale Trend: stetiges Wachstum

Und wie sieht es nun global aus in Sachen Abfalltrends? Der weltweite Müllberg wird nach Expertenannahmen künftig eher zu- als abnehmen. Die Hauptgründe dafür liegen in der immer kürzeren Lebensdauer von Produkten und in wachsenden Käuferschichten. Die Weltbank rechnet daher mittelfristig mit einem 70-prozentigen Plus beim Abfallaufkommen auf etwa 3,4 Milliarden Tonnen.

Das wird sich auch auf den weltweiten Markt für das Abfallhandling auswirken. Angesichts einer Wachstumsrate von rund 5 Prozent pro Jahr soll dieser bis zum Jahr 2026 auf ein Gesamtvolumen von etwa 540 Milliarden Dollar emporschnellen. Angekurbelt wird diese Entwicklung nicht nur vom höheren Verbrauch der Konsumenten, sondern auch durch die Globalisierung und die Entstehung neuer Industrien. Die Abfallindustrie zählt daher auch unter Anlageexperten als eine sehr sichere Branche. Sie rechnen auch für die Zukunft mit einer steigenden Nachfrage in Sachen Abfallmanagement.

Das zeigt etwa eindrucksvoll das Beispiel des US-amerikanischen Entsorgungs- und Umweltdienstleisters Clean Harbors aus Massachusetts. Das 1980 gegründete Unternehmen erwirtschaftet mit 14.400 Mitarbeitern einen Umsatz von über 3 Milliarden US-Dollar. Die Zukunftsaussichten für die Branchenriesen gelten angesichts der stetigen Verbesserung der Müllentsorgung in vielen Staaten als rosig. Das belegt ein Blick nach Frankreich, wo der Abfallentsorger Veolia Environment große Teile des Konkurrenzunternehmens Suez geschluckt hat. Dieser will sich damit als „Weltmarktführer der ökologischen Transformation“ etablieren und den jährlichen Umsatz auf etwa 37 Milliarden Euro erhöhen.

In Deutschland setzt die nicht börsennotierte Remondis zu immer neuen Höhenflügen an. Die jüngste Übernahme bescherte dem größten heimischen Entsorgungskonzern einen neuen Standort in Osnabrück, wo die Levien Industrieentsorgung Rohstoffrecycling GmbH seit 1. Januar 2022 als Remondis Osnabrück GmbH firmiert. Das neue Unternehmensmitglied ist auf Industrie- und Gewerbekunden spezialisiert sowie auf gängige und laut Gewerbeabfallverordnung ungefährliche Abfälle.  Am Osnabrücker Standort werden zudem auf die Zementindustrie abgestimmte Ersatzbrennstoffe hergestellt. Zusätzlich kommen hier neben weiteren Abfällen PET und Alttextilien in einer Zweikammerpresse zur Verarbeitung. Weitere Services sind deutschlandweite Abfalltransporte und Containerdienstleistungen in der Region Osnabrück.